TikTok: It's Corn!
Wer kennt die Anspielung »It's Corn«? Der Trend ist bereits ein paar Jahre alt, aber zeigt schön die Besonderheiten von TikTok: https://www.tiktok.com/@schmoyoho/video/7133362838424341803
Ein Interview wird zu einem Musikvideo, wird zu einem Meme, wird zu einem weltweiten Trend. Remix-Kultur und -funktionen ergänzen sich mit Trends, die häufig auf Musik als einendes Element aufbauen.
Neu? Nein.
- Early Adopter sind seit 2019 auf TikTok
- Wenn ihr erst jetzt anfängt, ist das ein Zeichen dafür, dass ihr nicht genug testet, oder zu sehr an Legacy hängt
- Facebook-isierung hat bereits angefangen (Ads, Templates, Masse --> Uncool)
Jedes Netzwerk macht die gleichen Phasen durch: Am Anfang wird es nur von Early Adoptern genutzt, es gibt daher noch keine Monetarisierung. Die ersten Kreativen switchen von den etablierten Netzwerken zu diesem neuen Netzwerk und bringen ihre Superkraft mit: Sie copy pasten nicht ihre Inhalte rüber, sondern erstellen neuen Content, der sich aus den Rahmenbedingungen des neuen Netzwerk ergibt. Anders als Firmen, die häufig erstmal versuchen, ihre Inhalte effizient auf einem weiteren Netzwerk crosszuposten.
Mit den ersten viralen Inhalten kommt dann die Masse und später folgt die Monetarisierung. Viele kopieren erfolgreiche Konzepte und es entsteht ein Einheitsbrei. Bis wieder ein neues Netzwerk entsteht, und die ersten Adopter wechseln.
TikTok: Das Land, wo Reichweite und Interaktion fließen
- Wird immer weniger, aber: organische Reichweite sehr wohl möglich
- KEINE hohe Followeranzahl nötig (aber hilfreich)
Anders als soziale Netzwerke wie Facebook, baut TikTok nicht auf dem Social Graph auf. Man folgt nicht Menschen aus seinem Leben und deren Inhalten, sondern man schaut Content, der einem gefällt – egal von wem. So ist eine große Followerzahl nicht nötig, denn wennn ein Video gut ankommt, wird es weiter ausgespielt.
Der Algorithmus ist ständig auf der Suche nach sehr ähnlichen Videos. Denn wenn die Video A gefallen hat, gefällt dir sicher auch Video A1, A2, A3.
Ergo springt man auf Trends (A) auf und bietet dem Algorithmus Varianten an.
TikTok eher YouTube als Instagram
- Erfolg auf Content-Basis
- Kein soziales Medium, denn Fokus auf Content nicht Social Graph
- Enorme Personalisierung
Wenn ich für 15min nur noch positiv mit Videos interagiere, die Katzen zeigen, wird mein Feed live angepasst. Folglich erhöht sich der Katzenanteil beständig, bis ich fast nur noch Katzen-Content finde. In Tests konnte ich sogar den Inhalt teilweise auf bestimmmte Katzenarten fokussieren.
Diese Live-Personalisierung beruht also nicht mehr auf historischen Daten und einem statischen Interessensprofil, sondern auf kurzfristiger Interaktion. Ich kann heute in der Katzenzielgruppe sein und morgen in der Klassischen Orchester Blase.
Dieses Verhalten entspricht eher dem YouTube Algorithmus als dem Feed von Meta. Instagram Reels sind hier die Copy-Cat von Tiktok – auch hier ist der Content Graph > Social Graph.
Erfolg durch Templates/Trends
- Blaupause finden, die funktioniert
- Bei jedem neuen Video: Immer nur eine Variable davon ändern
- Beispiel: https://www.tiktok.com/@everyslice
- Trend-Musik wichtig, aber darf nicht genutzt werden (nur private Nutzung lizensiert)
- Gesicht ist das neue Logo
Wenn ein Algorithmus Varianten sucht, entstehen Trends. Denn Trends sind Varianten eines gut laufenden Videos. Alle springen auf und verändern z.B. ihr Outfit – aber lassen die Musik und den Tanz gleich.
Da Machine-Learning-Algorithmen sehr gut Gesichter erkennen, kann auch das Auftreten eines in der Vergangenheit erfolgreich performten Gesichts ein Indikator für eine breitere Ausspielung sein. Mehr sogar, als der Account bzw. die Brand von der das Video ausgespielt wurde.
Social Media Creators haben damit einen harten Verhandlungsfaktor: Verlässt ihr Gesicht die Firma, geht mit ihr die aufgebaute Reichweite. Firmen lösen das, in dem sie die alte Idee "Maskottchen" wiederbeleben. So geht dessen Gesicht viral, aber die Person dahinter kann das Unternehmen verlassen.
Kanal-Vibes < Corporate Design
- Corporate Design muss sich dem Kanal anpassen, nicht umgekehrt
- Clean Girl Ästhetik --> Instagram
- Millenial Pause« vermeiden
- Praktikant:in vor der Kamera, erfahrene:r Social Media Manager:in dahinter
Der Plattform sind deine Ziele egal. Sie hat eigene: längere Verweildauer. Daher bedeutet Social Media Erfolg (organisch) meist, als Firma die Ziele der Plattform zu pushen. Je erfolgreicher meine Videos, desto länger ist die Verweildauer der User auf der Plattform. Unternehmen versuchen durch Corporate Design zumindest eine Markenbekanntheit über wiedererkannte Farben, Formen und Schriften zu erhalten. Aber dabei wird vergessen, dass dies klar als »Werbung« erkannt wird und User keine Werbung sehen wollen. Sie wollen unterhalten oder educated werden. Ein Video, das durch Corporate Design keine menschliche Aspekte mehr hat, wird nicht erfolgreich sein, denn: Menschen interessieren sich für Menschen.
Übung, mit einem Non-Brand Account
- Trend finden
- Trend anpassen
- 1 Video pro Tag posten
Ich verbiete euch die ersten 3 Monate Photoshop/Canva
Ads: Erfolg erkaufen
- 1:1 wie Meta Ads
- Aber mehr goldener Käfig
- Video first, Image second, Text fourth
- Conversion Tracking MUST
Der Werbeanzeigenmanager von TikTok ist klar von Meta inspiriert. Es gibt auch hier die Möglichkeit, mit diversen Bild/Video/Textvarianten den Usern eine passende Botschaft zu kommunizieren und über einen TikTok Pixel den Erfolg der jeweiligen Variante nachzuvollziehen, um das Budget und die Ausspielung auf eben jene Variante zu pushen.
Eigene Erfahrungen zeigen jedoch, dass die User auf Meta leichter für einen ausgehenden Klick und daraus folgenden Webseitenbesuch zu begeistern sind. Tiktok hält die User eher in der App. Dennoch können auch externe Ziele wie Ticketverkauf über TikTok erreicht werden.